explain-it - Leitzins

In diesem explain-it handmade erklären wir in 3 Minuten den Leitzins der Europäischen Zentralbank - einfach und für jeden verständlich.

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Der Leitzins der Europäischen Zentralbank – einfach auf den Punkt gebracht von FOCUS Online und explain.it.
Das ist Herr Berger. Herr Berger ist Inhaber einer Schraubenfabrik. Sein Geschäft läuft gut und deswegen hat er schon seit längerem vor, eine neue Produktionshalle zu bauen. Dafür braucht Herr Berger einen Kredit von seiner Bank.
Seine Bank leiht sich – wie alle anderen Banken – Geld bei der Europäischen Zentralbank, kurz EZB. Die Zinsen, die die Banken dafür bezahlen, legt die EZB durch den Leitzins fest. Aber was passiert, wenn die EZB an der Zinsschraube dreht – wenn also der Leitzins sinkt oder steigt? Der Leitzins bestimmt, wie teuer die Kredite für Unternehmen und Privatpersonen sind, denn: wenn die Bank sich zu einem günstigen Zinssatz Geld bei der EZB besorgen kann, kann sie es auch günstig an die Kreditnehmer weiter geben.
Nehmen wir also an, die EZB senkt den Leitzins. Das bedeutet: Privatleute nehmen mehr Kredite auf, weil sie günstiger sind. Dann kaufen also mehr Leute ein Auto auf Pump. Unternehmer entscheiden sich zu Investitionen – wie Herr Berger, der jetzt seine neue Produktionshalle baut. Denn weil der Zins so günstig ist, sind auch die Kredite für die Fabrik billiger – und sie rechnet sich schneller.
Auch am Immobilienmarkt steigt die Nachfrage nach Wohnungen und Häusern – denn jetzt können sich mehr Menschen die Kredite dafür leisten! Außerdem sinken die Sparzinsen. Es lohnt sich also kaum noch, Geld auf dem Konto zu haben.
All das kurbelt die Wirtschaft an: Die Nachfrage steigt. Und weil mehr produziert werden muss, entstehen auch mehr Arbeitsplätze. Die Unternehmen bauen ihre Produktion aus. Die neuen Hallen müssen aber erst einmal gebaut werden - auch dadurch entstehen neue Arbeitsplätze. Niedrige Zinsen können aber auch Nachteile haben: Angelockt von den günstigen Krediten investieren plötzlich auch jene, die sich solche Projekte vorher gar nicht leisten konnten. Das erhöht die Nachfrage zusätzlich. Sobald die Nachfrage größer ist als das Angebot, steigen die Preise. Das führt zu Inflation. Halten die Löhne der Menschen nicht mit den Preisen Schritt, können sie sich plötzlich immer weniger kaufen – und dann geht es mit der Wirtschaft wieder abwärts.
Um das zu verhindern, kann die EZB den Leitzins auch anheben. Das bedeutet, dass die Effekte genau anders herum verlaufen: Banken verteuern die Kredite, es wird weniger investiert und weniger nachgefragt. Die Preise sinken und die Kaufkraft der Menschen steigt wieder. Deshalb hat die EZB nicht nur den Auftrag, die Wirtschaft anzukurbeln. Sie soll den Leitzins auch dazu einsetzen, die Preise in den Eurostaaten stabil zu halten. Endlich ist Herrn Bergers neue Produktionshalle fertig. Die erste Schraube, die vom Fließband rollt, ist eine symbolische „Zinsschraube“!