explain-it - Wie entstehen Benzinpreise

Für viele gehört es zum Sommerurlaub dazu: Der Ärger über die hohen Spritpreise. Die wenigsten aber wissen, wie diese Preise entstehen – deshalb erklären wir genau das.

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Das ist Hannes. Hannes ist selbständig und viel mit dem Auto unterwegs. Mindestens einmal die Woche muss er voll tanken. Im Moment tut ihm das mal wieder besonders weh... Heute ärgert Hannes sich über die neueste Benzinpreiserhöhung und fragt sich wieder einmal: wie kann das passieren? Er fragt Ingo, den Pächter der Tankstelle.
Ingo erklärt ihm, dass er mit seiner Tankstelle nur sehr geringen Einfluss auf den Benzinpreis hat, denn der wird ihm vom Mineralölkonzern vorgeschrieben und automatisch bei ihm auf der Preistafel angezeigt. Ein paar Stunden nach einer Preiserhöhung durch den Konzern kann Ingo eine Preissenkung beantragen – zum Beispiel wenn er sieht, dass er jetzt deutlich teurer ist als die Tankstelle von der Konkurrenz gegenüber. Ob die Senkung genehmigt wird, entscheidet dann die Konzernzentrale. So erklären sich die teilweise hohen Schwankungen an einem Tag!

Ingo erklärt Hannes auch die Zusammensetzung des Benzinpreises. Gut 65 Cent vom Preis für einen Liter Benzin kassiert der Staat als Energiesteuer. Weitere 19 Prozent vom Literpreis sind Mehrwertsteuer, die auch an den Staat gehen. Diese beiden Größen bleiben aber konstant. Der andere Teil fließt an die Mineralölkonzerne. Er besteht aus den Beschaffungskosten für das Öl, das die Konzerne zu Benzin weiterverarbeiten, und aus dem Deckungsbeitrag, der ihre Kosten und ihren Gewinn beinhaltet.
Der Beschaffungspreis für Öl schwankt sehr. Er entsteht am internationalen Rohölmarkt. Anbieter sind dort vor allem die erdölfördernden Länder, die sich zur sog. OPEC zusammengeschlossen haben.
Am Rohölmarkt wird der Preis für das Öl von mehreren Faktoren beeinflusst – zum einen ganz klassisch von Angebot und Nachfrage. Die OPEC-Länder haben die Fördermengen, also das Angebot, begrenzt, um den Preis einigermaßen konstant zu halten. Auf der anderen Seite steigt die Nachfrage, gerade aus Ländern die sich schnell entwickeln wie China oder Brasilien. Eine höhere Nachfrage bei konstantem Angebot bedeutet: Preissteigerungen! Auch Börsenpsychologie spielt bei der Preisbildung eine Rolle, das bedeutet: erwartete Veränderungen von Angebot oder Nachfrage. Zum Beispiel dadurch, dass sich eine Krise im Nahen Osten anbahnt, die das Angebot verringern könnte.
Öl wird nur in US-Dollar gehandelt – das bedeutet, dass auch der Wechselkurs des Dollar Auswirkungen auf den Benzinpreis in Deutschland hat.
Naja, und dann ist da noch die Finanzindustrie. Sie hat den Ölpreis durch Wetten auf steigende Preise in den letzten Jahren zusätzlich in die Höhe getrieben.
Der zweite variable Teil des Benzinpreises ist der Deckungsbeitrag der Mineralölkonzerne. Das ist der Teil, mit dem sie ihre Kosten – zum Beispiel Personalkosten – bezahlen und aus dem sie ihren Gewinn schöpfen.
Dieser Markt ist also für den normalen Verbraucher wie Hannes sehr intransparent! Und dann kommt noch hinzu, dass er von fünf großen Konzernen beherrscht wird. Da liegt der Verdacht nahe, dass Marktmechanismen wie auf jedem anderen Markt hier nicht voll greifen. Ein Beispiel? Gerne:
Der Benzinpreis liegt häufig einige Cent höher, als er liegen dürfte, wenn sich die Schwankungen rein aus dem Rohölpreis ergeben würden – woher kommt das? Tja, wenn weder Ingo noch der Rohölpreis damit zu tun haben, dürfte die Sache klar sein! Hannes erfährt: Für Ingo bleibt von jedem verkauften Liter Benzin an seiner Tankstelle gerade mal ein Cent – der Rest geht an den Staat oder den Mineralölkonzern. Hannes rechnet zusammen: bei einem Liter Benzin gehen 65 Cent Energiesteuer an den Staat. Und zusätzlich auch noch 19 Prozent Mehrwertsteuer pro Liter. Der gesamte Rest geht an die Mineralölkonzerne. Okay, und ein Cent an Ingo!
Jetzt, wo Hannes weiß, dass Ingo nichts für die Spritpreise kann, ärgert er sich über das undurchsichtige System und darüber, dass er nichts gegen die ständig steigenden Spritpreise tun kann. Aber um seinen Ärger zu vergessen, isst er noch eine Breze und trinkt einen Kaffee – das freut Ingo!