Focus Online - Ebola

Die Ebola-Epidemie hat 2014 die Schlagzeilen bestimmt und zuweilen Panik ausgelöst. Was die wenigsten wissen, ist wie das Ebola-Virus im Körper wirkt. Wir erklären es!

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Namensgeber des Ebolavirus’ ist der Fluss ‚Ebola’ im Kongo – dort wurde 1976 der erste Ausbruch verzeichnet. Seitdem taucht es in Afrika immer wieder auf. 2014 gab es den bisher größten Ausbruch, der seinen Ursprung in den Wäldern Guineas hatte und von dort aus schnell auf die Nachbarstaaten übergriff.

Sehen wir uns das Virus mal genauer an: Das Ebolavirus ruft ein virales hämorrhagisches Fieber her-vor, also ein Fieber, das mit inneren und äußeren Blutungen einhergeht – das sogenannte Ebolafieber. Die erste Ansteckungsquelle sind Flughunde und Menschenaffen. Durch den Verzehr dieses Wildfleisches oder den Kontakt mit den Tieren gelangt das Virus in den menschlichen Körper. Auch eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist möglich: Durch direkten Körperkontakt mit an Ebolafieber erkrankten oder verstorbenen Menschen oder durch Kontakt mit deren Blut oder anderen Körperflüssigkeiten. Ansteckend ist das Ebolafieber aber erst dann, wenn der Infizierte Symptome aufweist. Die Inkubationszeit – also die Zeit zwischen Infektion und ersten Symptomen – beträgt bei Ebola zwischen 2 und 21 Tagen.

Ähnlich wie bei einer Grippe beginnt die Krankheit mit Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Später kommt es häufig zu inneren und äußeren Blutungen. Zwischen 50 und 90% der Infizierten sterben.
Aber was genau passiert im Körper?
Nachdem das Ebolavirus in den Körper eingedrungen ist, vermehrt es sich in den menschlichen Zellen – bis der ganze Körper, samt Organen wie Leber und Nieren, befallen ist. Besonders gerne vermehrt es sich in Blutzellen, die für das Immunsystem wichtig sind.
Zum Beispiel in Makrophagen – das sind die Fresszellen des Immunsystems, die Viren und Bakterien beseitigen. Das Ebolavirus schleust sich in diese Zellen ein – damit werden sie zu Wirtszellen des Ebolavirus. Dort löst es sich in seine einzelnen Bestandteile – wie Erbgut, Proteine und Hülle – auf und repliziert sein Erbgut im Zellkern der Wirtszelle. Und: es wendet einen Trick an, um vom Immunsystem nicht sofort erkannt zu werden.
Normalerweise würde der Körper, wenn er einen Erreger bemerkt, spezielle Botenstoffe ausschütten. Diese docken an die Zellmembran der Wirtszelle an und bewirken, dass im Inneren der Zelle ein Molekül aktiviert wird. Im Normalfall wird dieses Molekül dann über eine Notfall-Route besonders schnell in den Zellkern eingeschleust – wo es viele Gene aktiviert, die Abwehrmoleküle herstellen. Doch: Das Ebolavirus behindert diesen Vorgang. Es sorgt dafür, dass die Notfall-Route versperrt ist. So kann das Molekül die Zelle nicht mehr über den Eindringling benachrichtigen – die erste Abwehrreaktion ist also außer Kraft.
Das Ebolavirus aber umgeht die blockierte Route und schleust sich einfach durch andere Zugänge in den Zellkern. So kann es sich dort ungehindert weiter vermehren. Wenn die vielen Ebolaviren dann aus der Zelle austreten und diese abstirbt, bemerkt der Körper, dass er angegriffen wird und löst eine Entzündungsreaktion aus. Bei Ebola ist diese Reaktion so stark, dass es zu grippeähnlichen Symptomen kommt. Gleichzeitig sorgt das Ebolavirus dafür, dass die Zellen an der Wandschicht der Blutgefäße durchlässig werden. Dadurch tritt Blut aus den Gefäßen aus. Jetzt schickt der Körper Blut-plättchen, denn: sie sorgen dafür, dass das Blut gerinnt und sich Wunden schließen. Doch weil die Blutplättchen an so vielen Stellen des Körpers für Blutgerinnungen sorgen, verklumpen die Blutgefäße und können ihre wichtigste Aufgabe, den Transport von Sauerstoff zu den Organen, nicht mehr erfüllen. Das führt nach einiger Zeit zu Organversagen. Und: Irgendwann gibt es nicht mehr genügend Blutplättchen, da die Leber ebenfalls geschädigt ist. und keine Blutplättchen mehr produziert. So tritt das Blut dann ungehindert aus den Gefäßen und die infizierte Person blutet innerlich und äußerlich.

Medikamente und Impfstoffe gegen Ebola sind noch in frühen Stadien der Entwicklung. Um diese gefährliche Krankheit in den Griff zu bekommen, muss mit Hochdruck an Lösungen gearbeitet wer-den.