WWF - Wildfluss

Dieses explain-it handmade erklärt, wie sich die letzten verbliebenen Wildflusslandschaften schützen lassen und bereits gezähmte Flüsse wieder natürlicher gestaltet werden können.

WWF Deutschland
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Wohnen Sie gerne am Fluss? Wollen Sie, dass Ihr Ort vor Hochwasser geschützt wird? Sind Sie für eine dezentrale Energieversorgung aus emissionsarmen Energiequellen? Schätzen Sie als Landwirt die fruchtbaren Böden in den Auen für den Anbau ertragreicher Kulturen? Früher beanspruchten unsere Flüsse viel Raum. Sie breiteten sich als verzweigtes Netz aus Haupt- und Nebenarmen, Kiesbänken, Altwässern und Auwäldern in der Fläche aus. Ständige Veränderungen prägten die Landschaft, im Jahresverlauf folgte Niedrig- auf Hochwasser. In den eng verzahnten Lebensräumen fanden viele speziell angepasste Pflanzen und Tiere eine Heimat. Für den Menschen waren die ungebändigten Wildflüsse aber auch Bedrohung: Bei Hochwasser rissen sie manchmal Bäume, Brücken und Häuser mit sich. Der Mensch begann die Flüsse zu zähmen. Durch Begradigung befestigte Ufer, Deiche und Wehre zwang er sie vielfach in ein monotones Landschaftsbild, keine Spur mehr von Dynamik und Wildheit. Viele flusstypische Tier- und Pflanzenarten sind seither selten geworden oder verschwunden. War das wirklich unser Ziel? Finden wir selbst an diesen veränderten Flüssen noch Erholung, Ruhe und Kraft? Langsam setzt ein Umdenken ein. Der Fluss soll wieder Fluss sein dürfen – für natürlichen Hochwasserschutz, für mehr Artenvielfalt und als attraktiver Erholungsraum. Dafür müssen wir alle Kompromisse eingehen. Deiche können zwar lokal vor Hochwasser schützen. Für einen vorsorgenden Hochwasserschutz muss jedoch ein Teil der Überschwemmungsflächen den Flüssen zurückgegeben werden. Neue Wohn- und Gewerbegebiete sollten in hochwasssergefährdeten Lagen tabu sein – denn absoluten Hochwasserschutz wird es nie geben und der Klimawandel macht die Zukunft unberechenbar. Statt neuer Wasserkraftanlagen – zumal in bisher unverbauten Flussabschnitten – sollten bestehende Anlagen effizienter und umweltverträglicher genutzt und Energiesparpotentiale vollständig ausgeschöpft werden. Auch der Rückbau von Anlagen sollte in Betracht gezogen werden. Auch Landwirte können zum Schutz der Flüsse beitragen, indem sie entlang der Ufer ausreichend Grünstreifen belassen und die Düngung von Intensivkulturen wie Mais reduzieren. Für Uferrandstreifen gibt es in Bayern sogar Unterstützung vom Staat. Nur gemeinsam können wir die letzten verbliebenen Wildflusslandschaften schützen und die bereits gezähmten Flüsse wieder ein Stück weit natürlicher gestalten. Damit werden nicht nur europäische Naturschutzvorgaben erfüllt, sondern wir alle gewinnen ein Stück Lebensqualität.